Das Rottal der drei Kantone

Die Mitglieder des Vereins Lebendiges Rottal kommen aus dem ganzen "Rottal der drei Kantone" und angrenzender Regionen. Das Rottal liegt mitten in der „Hügelschwelle“ zwischen Napf und Jura, welche die Schweiz in einen östlichen und westlichen Teil gliedert. Die Rot entwässert zusammen mit der Pfaffnern das Gebiet zwischen der Langete und der Wigger. Die Hügel sind nicht überaus hoch und die Landschaft ist kleinräumig strukturiert, weshalb sich im Gebiet angenehm wandern lässt.

Das "Rottal der drei Kantone" gehört gleich zu drei Regionen! Zur Region Oberaargau (www.oberaargau.ch), zur Region Willisau (www.region-willisau.ch) und zur Region Zofingen (www.zofingenregio.ch). Doch die Natur kennt ja bekanntlich keine politischen Grenzen! Wieso nicht die Rot als verbindendes Element zwischen den Menschen des Rottals und der drei Regionen wahrnehmen? Bei unseren Vereinsaktivitäten manifestiert sich das dadurch, dass vermehrt Anlässe auch im Bernischen Teil des Rottals oder zusammen mit dem Natur- und Vogelschutzverein Murgenthal oder der Natur Region Zofingen stattfinden.


Fast 100'000 jährige Hügel

Das „Rottal der drei Kantone“ ist in die nördlichen Ausläufer des Napfberglandes eingebettet. Dieser mächtige Hügelzug erstreckt sich vom Napfgebiet hinaus ins Mittelland bis fast an die Aare. In Rothrist AG stehen die letzten Ausläufer des Napfs zudem der ersten Erhebung des Juras, dem Born, gegenüber. Im Osten wird das Hügelgebiet durch das Tal der Wigger, im Westen durch das Tal der Langete begrenzt.

Da das Gebiet während der letzten Eiszeit eisfrei blieb und die Landschaft deshalb vom Eis nicht neu geformt wurde, ergibt sich ein charakteristisches Landschaftsbild mit ausgedehnten Hochplateaus, schroffen Flanken und tiefen Tälern, durchsetzt mit runden, harmonisch wirkenden Hügeln. Diese Landschaft wurde über ca. 90'000 Jahre (Ende der vorletzten Eiszeit) weitgehend vom Wasser gestaltet. Während der letzten Eiszeit, die etwa vor 15'000 Jahren endete, trafen beispielsweise Mammut und Rentier wohl sehr ähnliche Landschaftsformen an. Natürlich veränderte sich die Vegetation inzwischen sehr stark und es kamen die noch heute ausgedehnten Wälder hinzu.

 

Der geologische Untergrund des Rottals und allgemein des Gebiets zwischen Wigger und Langete ist sehr vielfältig. Zu oberst auf den Plateaus liegt oftmals noch Moränenmaterial der vorletzten Eiszeit (Riss). Der grösste Teil davon wurde aber erodiert und an verschiedenen Aufschlüssen treten die noch viel älteren Ablagerungen der Urzeiten, die sogenannte Molasse, an die Erdoberfläche.

Zu oberst an den Plateaurändern finden sich Kiesgruben, in welchen Nagelfluhmaterial der Oberen Meeresmolasse (Helvétien) ausgebeutet wurde. An den Hängen der Plateaus stossen wir heute noch auf alte Steinbrüche und Sandgruben, die ebenfalls in die Obere Meeresmolasse, jedoch in reine Sandsteinschichten (Burdigalien) getrieben wurden.

 

Weiter unten im Tal, bei St. Urban, zeigen uns zwei riesige Lehmgruben eindrücklich die Untere Süsswassermolasse (Aquitanien) mit ihren mächtigen Mergelhorizonten. Allerdings stossen wir im Bereich zwischen den beiden Gruben auf "sehr neuen" Schotter der letzten Eiszeit, welche durch das heutige Trockental von Burgdorf her hierhin kamen, weil die Gletscher den Schmelzwasserflüssen Richtung Mittelland den Weg versperrten.

 

Weiter das Tal hinab stossen wir bei Roggwil auf eine gewaltige Schotterebene gleicher Herkunft, welche auf sehr alten Schichten der Unteren Süsswassermolassen (Chattien) liegen, die entlang der Murg ans Tageslicht treten.

Im Rottal existiert damit eine beachtliche geologische Vielfalt, was sich direkt auf die Vegetation auswirkt. So werden botanisch Interessierte zum Beispiel auf den risseiszeitlichen Moränen vom Besenginster, auf Nagelfluhaufschlüssen von verschiedenen Waldorchideen-Arten, auf verwittertem Sandstein vom Hasen-Klee und auf dem würmeiszeitlichen Schottern vom Gelben Eisenhut überrascht!

Für Interessierte empfiehlt sich der Geologischer Atlas der Schweiz, 1:25'000, Blatt 1108 und 1128.