Abgeschlossene Projekte

Vom Rot-Weiher zum Trübelbach-Weiher

Noch vor der Gründung des VLR-Vorgängervereins „Naturschutzverein Rottal“ erstellten aktive AltbürerInnen in den 80er-Jahren einen Weiher an der Rot. Weitere Weiher und Tümpel folgten an diversen Standorten. In Zusammenarbeit mit dem Ökobüro des Präsidenten Manfred Steffen konnten im Jahr 1999 bzw. 2001 gar zwei grosse Weiher eingeweiht werden. Der Trübelbachweiher bei St. Urban, eigentlich Gemeindegebiet von Murgenthal AG, erstreckt sich über eine Fläche von 30 Aren und hat sich in den letzen Jahren zu einem Erholungsgebiet für Leute aus nah und fern entwickelt. Auch der Dentenbergweiher beim Steinhubel in Altbüron entwickelte sich unterdessen zu einem Juwel.


Naturschutz-Leitpläne

Mitglieder der Naturschutzvereine Rottal und Pfaffnau arbeiteten in den 90er-Jahren aktiv an der Erstellung der Naturschutz-Leitpläne der verschiedenen Gemeinden mit und engagierten sich auch gleich bei deren Umsetzung. Ausgehend vom IST-Zustand werden darin Massnahmen formuliert wie die Landschaft mit verschiedenen naturnahen Lebensräumen wieder aufgewertet und vernetzt werden kann.


Erhalt und Aufwertung der Wässermatten

Über viele Jahre machten Mitglieder des Naturschutzvereins Rottal auf die Einmaligkeit der Wässermatten im Rottal aufmerksam. Der Verein leistete so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser einmaligen Kulturlandschaft. Mit einer ständigen Vertretung in der Betriebskommission der Wässermatten-Stiftung trug er auch dazu bei, dass die Wässermatten heute naturnaher bewirtschaftet werden und so zahlreichen Tier- und Pflanzenarten idealen Lebensraum bieten.

Im Rahmen eines Landschaftsaufwertungsprojektes, das von verschiedenen Sponsoren unterstützt wurde, konnten zudem über die letzten Jahren in den Wässermatten und entlang dem Grenzpfad Napfbergland zahlreiche Bäume gepflanzt werden. Kürzlich wurde zudem ein Pilotprojekt für ökologisch besonders wertvolle Wässermatten begonnen. Damit gibt es nicht nur in Melchnau und Altbüron, sondern auch auf St. Urbaner Boden nach über 100 Jahren wieder eine funktionierende Wässermatte.


Aufwertung Ängelgehr

Wer von Melchnau Richtung Altbüron fährt, sieht hinter der Kapelle einen Steilhang, der sich vom Dorfgebiet bis zum nahen Wald hinauf zieht. Sein Name “Ängelgehr“ gibt ihm etwas Besonderes. „Gehr“ deutet auf die dreieckige Form des Landstücks hin.

 

Der Ängelgehr war schon früher für die Kinder ein beliebter Ort für Entdeckungen, obwohl damals die Kühe bis fast zu oberst alles abgrasten und massive Trittschäden verursachten. Mit der Güterzusammenlegung kam das Landstück in den 1990er-Jahren in den Besitz der Gemeinde Altbüron und wurde im gleichen Zug einer extensiven Nutzung zugeführt. Gleichzeitig pflanzten Mitglieder des Vereins Lebendiges Rottal seltene Sträucher und Bäume und schufen über die Jahre zahlreiche Kleinstrukturen wie Asthaufen oder Tümpel.

Heute präsentiert sich die Parzelle dank der alljährlichen Mäharbeiten im oberen Teil und die schonende Beweidung durch Schafe im unteren Teil sehr vielfältig und naturnah. Zudem hat sich die Anzahl der vorkommenden Pflanzenarten seit der Extensivierung von ca. 40 auf mindestens 83 Arten verdoppelt. Ein toller Erfolg!


Blumige Vielfalt und Pflanzennamen

Anfangs Mai 2004 schmückten Hunderte von farbigen Fähnchen die verschiedenen Wiesen rund um den Kapellhügel und die Mehrzweckhalle in Altbüron. Die Idee war, die erstaunlich grosse Pflanzenvielfalt sichtbar zu machen. Die Wiesen bieten für Naturinteressierte das ganze Jahr über etwas. An diesem Anlass wurde dem Publikum zum ersten Mal eine Liste einheimischer Pflanzennamen aus dem Luzerner und Berner Teil des Rottals vorgestellt. Darauf finden sich zum Beispiel die Namen Goggerblueme und Bachbomele (Sumpf-Dotterblume). Die Sammlung wird fortgesetzt und könnte auch auf Tiere ausgeweitet werden (Vergleiche z.B. Vogelnamen Ägeschte und Herregäägu mit Elster und Eichelhäher).

Die lokalen Pflanzen und Tiernamen bedeuten den Einwohnern des Rottals oft sehr viel, weil sie damit Erinnerungen und Geschichten aus der Kindheit assozieren. Werden nur die Namen aus den Lehrbüchern erwähnt, bleibt dieser Bezug oft aus und die wilden Lebewesen bleiben fremde Wesen. Die Namen sind somit eine Art Bindeglied zwischen Mensch und Natur.

 

Liste der Pflanzennamen im "Rottal der drei Kantone" 

 


Vernetzungsprojekt der Region Oberaargau

Die Region Oberaargau hat ein Vernetzungsprojekt initiiert, welche die Vernetzung zwischen ökologischen Ausgleichsflächen im Landwirtschaftgebiet verbessern soll. Dabei profitieren einerseits die Tiere und Pflanzen, welchen durch zusammenhängende Lebensräume das Wandern und der Austausch von Erbgut mit anderen Populationen ermöglicht wird. Nutzen haben aber auch die teilnehmenden Landwirte durch zusätzliche Beiträge und die Bevölkerung durch ein schönes Landschaftsbild.


Glögglifrosch-Teich Altbüron

In Altbüron entstand auf Initiative des Vereins Lebendiges Rottal 2003 für den Glögglifrosch (Geburtshelferkröte) ein weiterer, kleiner Teich. Der bereits bestehende Schulhausteich war zu stark von Pflanzen bewachsen und bietet unterdessen Erdkröten und Grasfrosch idealen Laichplatz. Der Glögglifrosch hingegen bevorzugt möglichst unbewachsene Teiche, weshalb für ihn ein spezielles Gewässer erstellt wurde.

Da der Glögglifrosch neben einem Gewässer für die Entwicklung seiner Kaulquappen auch auf Nischen wie Trockensteinmauern und Steinhaufen angewiesen ist, wurden solche um das Schulhaus, den Kapellhügel und neu auch neuen Teich angelegt. Bisher ist der Erfolg der Massnahmen überwältigend! Im kleinen Stillgewässer schwimmen meist Dutzende Glögglifrosch-Kaulquappen, welche sich nach der Umwandlung zum Glögglifrosch auch nachweislich in den nahen Nischen verstecken.


Erhalt und Förderung der Artenvielfalt

Über die Jahre wurden zahlreiche kleinere und mittlere Projekte zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt erfolgreich umgesetzt.


So verwandelte sich in Altbüron die Schulhauswiese auf Initiative des ersten Vereinspräsidenten Ernst Bär in Richtung eines artenreichen Halbtrockenrasens. Den Behörden bzw. Verantwortlichen in Grossdietwil und Fischbach wurde bei der naturnahen Umgebungsgestaltung der Schulhäuser beratend beigestanden. In der Lehmgrube Unter Berghof erhöhte sich die Artenzahl durch Beratung und die darauf eingeleiteten Massnahmen beträchtlich.

Bei der Lehmgrube, aber auch beim Scharletenweiher in Pfaffnau bzw. Brittnau, werden jedes Jahr Amphibienschutzzäune installiert und in Altbüron eine Glögglifrosch-Kolonie betreut.

Vogelarten wie Schleiereule, Dohle, Alpen- und Mauersegler, etc. haben an verschiedenen Standorten Nisthilfen erhalten. Auch Spezialeinsätze und langjährige Betreuungsarbeit für Fledermäuse wurden und werden geleistet. Beispielsweise gehören die Überwachung der national bedeutenden Wochenstuben des Grossen Mausohrs in den Kirchen von Grossdietwil und St. Urban dazu.

Das Umpflanzen bedrohter Pflanzen, z.B. bei Bauarbeiten, ist immer wieder ein Thema. Pflanzaktionen verschiedener Obst- oder Einzelbäume haben zudem vielerorts zu einem noch schöneren Landschaftsbild geführt.


Pflanzung mehrer hundert Meter Hecken

Im Gebiet zwischen dem Fischbacher „Fröscheloch“ (Grenze zu Zell) über den Murhof in St. Urban bis nach Pfaffnau zieren heute Hunderte zusätzliche Meter Hecken die Landschaft. Während der Umsetzung der Güterzusammenlegung Altbüron gab es besonders viele Pflanzeinsätze. Ergänzt wurden die Aktivitäten in diesem Bereich auch durch andere Organisationen wie z.B. durch die Jäger von Fischbach.

Positive Auswirkungen auf die Tierwelt liessen sich schon bald nachweisen. Besonders die dornstrauchreichen Hecken in der Nähe von Magerwiesen und Extensivweiden wurden bereits wenige Jahre nach der Pflanzung vom Neuntöter als Brutplatz gewählt.


Bruchsteinmauern im ganzen Tal

Wer durch das Rottal wandert, kann schon mal auf richtige „Bollwerke“ aus Sandsteinen stossen. Bruchsteinmauern, mit geschickter Handarbeit der Vereinsmitglieder erstellt, zieren z.B. den Trübelbachweiher (nahe St. Urban), den Brüschhubel (zwischen Pfaffnau und St. Urban, siehe Bild oben), verschiedene Orte in Altbüron und sogar ein Grundstück in Gettnau. Da dabei einheimische Sandsteine verwendet wurden, geben die Bruchsteinmauern auch über die Geologie der Region und, dank den fossilen Einschlüssen wie Muscheln und Haifischzähnen, auch über das Leben vor Millionen von Jahren Aufschluss.


Bäume entlang des Grenzpfads Napfbergland

Der Grenzpfad Napfbergland verläuft von St. Urban über den Napf bis aufs Brienzer Rothorn. Die ersten Kilometer des 85 km langen Fernwanderweges führen durchs Rottal.

In Zusammenarbeit mit den Landbesitzern, der IG Grenzpfad Napfbergland, der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (www.sl-fp.ch) und dem Büro naturnah hat der Verein Lebendiges Rottal ein Projekt mit folgendem Ziel umgesetzt: landschaftsprägende Alleen entlang von Wegen, Grenzbaumreihen sowie Einzelbäume auf Geländekuppen und in den Wässermatten aufwerten oder wieder anpflanzen.

Bei der ersten Pflanzaktion im Herbst 2002 wurden bei den Wässermatten von Melchnau BE und in den Luzerner Gemeinden Altbüron, Pfaffnau sowie in Reisiswil BE standortheimische Einzelbäume, Kopfweiden und verschiedene Gebüschgruppen gesetzt. Dabei halfen sogar Lehrlinge des Sponsors Sunrise tatkräftig mit.

Weitere Aktionen folgten über die letzten Jahre an verschiedenen Punkten im Tal und gipfelten in einer Pflanzaktion, bei welcher beim Sonnhaldenhof in St. Urban neben 20 Alleebäumen mehrere Hundert Sträucher als Schnitthecke gepflanzt wurden. Zusätzlich wurde sogar eine sogenannte "Baumkapelle" gestaltet, die nachfolgend abgebildet ist. Die vier Einzelbäume werden mit der Zeit scheinbar zu einem einzigen Baum zusammen wachsen und in der Mitte einen Raum wie das Innere einer Kapelle bilden.


Aktion Vielfältiges Hangried

Früher war der Lebensraum Hangried eine sehr verbreitete Nutzungsform, da das gemähte Material, die „Streui“, über den Winter den Tieren einstreut werden konnte. Da unterdessen jedoch genügend Stroh zur Verfügung stand, wurde manches Hangried entwässert oder dem Wald preisgegeben. Ähnlich geschah es im Hangried am Näbetsberg nahe der Lisch unweit von Grossdietwil. Hier wurde ein Hangried nicht mehr gemäht, weshalb ein Schwarzdorngebüsch sowie Brombeergestrüpp immer mehr von diesem seltenen Lebensraum einnahmen. Doch nicht genug, auch die Kanadische Goldrute überwucherte ein immer grösseres Stück und verdrängte die einheimischen Pflanzen.

Mitglieder des Vereins Lebendiges Rottal und die Jäger von Melchnau drängten deshalb über mehrere Jahre den sonst wertvollen Schwarzdorn in den oberen Bereich des Handrieds zurück, entfernten die Brombeerranken sowie Goldruten und mähen das Hangried nun wieder regelmässig.

Der Lohn für die mühselige Wiederherstellung des naturnahen Landschaftselements sind Entdeckungen wie die des Bittersüssen Nachtschattens, der mit der Tomate oder der Kartoffel verwandt ist und im Rottal sonst nur ganz selten vorkommt.