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Wohnungen für Wiseli

Es herrscht Wohnungsnot! Ja, für Menschen, aber auch für die Wiesel. Für das grosse Hermelin und auch für die kleinen Mauswiesel. In den ausgeräumten Landschaften fehlen die kleinen, fuchssicheren Schlupfwinkel, die die Wiesel für die Aufzucht der Jungen benötigen. Seit 20 Jahren wird im Smaragdgebiet Oberaargau im Rahmen des Projekts «Mauswiesel und Hermelin» versucht, die nötigen Wohnungen zu beschaffen.

 

Am Samstagmorgen, dem Frühlingsanfang 2026, versammelt sich eine Baucrew auf dem Hof von Anita Zulliger – der Bauherrin – in Widen bei Reisiswil. Nach einer kurzen Einführung durch die Bauleitung (Manfred Steffen), geht es ans Werk. Drei Bauten sind geplant, an einer Geländekante mit schönster Aussicht. Im Lauf des Morgens entstehen drei recht unterschiedliche Wohnungen: Die erste, halb in den Steilhang hinaus ragend, könnte man am ehesten als Ferienhaus mit Balkon bezeichnen. Der zweite Bau entspricht wohl einer klassischen Wiseliburg während der dritte am ehesten mit Wiselibunker bezeichnet werden kann: Meterlange Trämel, die fast nur zu zweit bewegt werden können, bilden den Wohnraum im Innern.

 

Der Bau einer Wiseliburg ist gar nicht trivial. Zum Glück ist ein Architekt (Christian Gafafer) dabei, der darauf achtet, dass alles nach den hochstehenden schweizerischen Baunormen ausgeführt wird: rechte Winkel, horizontale Balkenlage usw.

 

Die Kammer zuinnerst der «Burg» besteht, wie schon erwähnt, aus massiven Trämeln. Um diese Kammer für das Weibchen mit seinen Jungen auch schön einladend zu machen, wird sie mit trockenem Laub ausgepolstert. Steht diese massive Kammer, kommt die Hauptarbeit: rundum muss ein Mantel aus kleinen und grossen Ästen konstruiert werden, der so dicht ist, dass kein Fuchs den Weg hinein findet. Kleine Wiesel sind für ihn nämlich Leckerbissen. Ein dichtes Geflecht ist nötig, um den Räuber abzuhalten. Während der Fuchs für einen Gang etwa 10 cm Durchmesser benötigt, reicht für das Wiesel ein Mausloch.

 

Dass drei Wohnungen mit einem Abstand von wenigen Metern gebaut werden, kann man als verdichtetes Bauen bezeichnen. Es hat die Funktion, dass, wenn sich eine Wieselmutter in einem Bau trotz allen Vorkehrungen bedroht fühlt, sie ihre Jungen, eins ums andere, in kurzer Zeit in eine andere Wohnung verfrachten kann.

 

Als weitere ökologische Aufwertung ist die Pflanzung einer Hecke entlang der Geländekante mit Einbezug der schönen alten Bäume geplant. Die Wiseliburgen haben dann nicht nur eine grossartige Aussicht (was den Wieseln vermutlich egal ist), sondern sind Teil eines reichen, vielfältigen Lebensraums für viele verschiedene Tiere und Pflanzen. 

 

Jürg Stauffer